Du stehst an Deck der Fähre, die Küste verschwindet langsam hinter dir, und du schickst noch schnell ein Foto an die Leute zu Hause. Ein paar Wochen später steht auf deiner Handyrechnung eine Zeile, bei der du zusammenzuckst. Roaming auf See ist eine der teuersten Arten, das Internet zu nutzen, die es gibt, und die meisten Reisenden haben keine Ahnung, warum. So funktioniert es, und das solltest du, und vor allem solltest du nicht tun, sobald das Schiff den Hafen verlässt.
EU-Regeln gelten an Land, nicht auf See
Die "Roam like at home"-Regeln, an die wir uns in Europa gewöhnt haben, gelten für Netze an Land. Solange das Schiff noch nah an der Küste ist, behält dein Handy oft die Verbindung zum normalen Netz des Landes, an dem du vorbeifährst, und dein Tarif funktioniert wie gewohnt.
Aber sobald die Fähre weiter von der Küste wegkommt, bricht diese Abdeckung ab. Und dann passiert etwas, was die meisten Reisenden nicht wissen: Viele Fähren haben ihr eigenes Netz an Bord, das über Satellit angebunden ist. Dein Handy sieht es als normales Mobilfunknetz und wechselt automatisch dorthin. Oft ist der einzige Hinweis ein unbekannter Netzname, der in deiner Statusleiste auftaucht.
Warum Satellitennetze so viel kosten
Diese maritimen Satellitennetze fallen ausdrücklich nicht unter die europäischen Preisobergrenzen. Die EU-Regeln schützen dich dort nicht, und die Preise zeigen das: Du zahlst pro MB, und die Beträge sind extrem. Zur Einordnung: In so einem Netz kann eine Handvoll eingehender Nachrichten, ein Mail-Abgleich und ein einziger Foto-Upload mehr kosten als ein ganzes eSIM-Paket für deinen kompletten Urlaub.
Das Fiese daran ist, dass du dafür gar nichts tun musst. Dein Handy wechselt von selbst, Apps synchronisieren im Hintergrund von selbst, und der Zähler läuft, während du im Bordrestaurant zu Abend isst.
Welche Routen sind betroffen?
Überall dort, wo du länger als etwa eine Stunde von der Küste weg bist:
- Fähren nach Großbritannien und Irland, etwa die Überfahrten aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich sowie die Routen über die Irische See.
- Skandinavische Routen, zum Beispiel zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen, wo Überfahrten oft eine ganze Nacht dauern.
- Mittelmeer-Überfahrten, etwa Spanien nach Marokko, Italien nach Griechenland oder Routen raus zu den Inseln.
Je länger die Überfahrt, desto größer das Risiko. Auf einem kurzen Sprung merkst du vielleicht nichts; auf einer Nachtfähre hat dein Handy Stunden Zeit, um auf eigene Initiative Daten zu verbrennen.
Ehrlich gesagt: eine eSIM hilft hier auch nicht
Wir verkaufen eSIM-Pakete, du erwartest also vielleicht, dass wir dir eine eSIM als Lösung andrehen. Aber das wäre nicht ehrlich. Eine Reise-eSIM nutzt dieselbe Art von Netzen wie deine normale SIM: Netze an Land. Mitten auf dem Meer hat auch eine eSIM keine Abdeckung, und dein Datenpaket funktioniert nicht im Satellitennetz des Schiffs.
Auf See gibt es nur einen sinnvollen Ansatz, und der ist kostenlos:
- Schalte dein Handy in den Flugmodus, sobald das Schiff ablegt, oder deaktiviere zumindest das Datenroaming für alle deine SIMs. Dann kann sich nichts hinter deinem Rücken verbinden.
- Willst du an Bord trotzdem online sein? Nutze das WLAN des Schiffs, wenn es einigermaßen bezahlbar ist. Fährbetreiber verkaufen oft WLAN-Pakete pro Überfahrt; die kosten einen Bruchteil des Satelliten-Roamings.
- Zurück an Land? Schalte den Flugmodus aus und lass deine eSIM übernehmen. Ab diesem Moment surfst du wieder zum Preis deines Pakets.
Der exakt gleiche Rat gilt übrigens auf Kreuzfahrtschiffen, wo die langen Fahrzeiten die Beträge noch schneller klettern lassen. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag geschrieben: eSIM auf einer Kreuzfahrt.
So bereitest du dich auf die Überfahrt vor
- Lade deine Unterhaltung vorher herunter. Filme, Podcasts und Playlists sind für zu Hause oder den Hafen, nicht für die offene See.
- Warne deine Reisebegleitung. Kinder mit eigenem Handy sind ein besonderes Risiko; schalte auch auf ihren Geräten das Datenroaming aus.
- Stelle automatische Downloads und Foto-Backups auf "nur WLAN". Dann kann nichts schiefgehen, selbst wenn du dich doch kurz verbindest.
- Regel deine eSIM fürs Reiseziel vorher. So bist du in dem Moment online, in dem du in Newcastle oder Tanger von der Fähre rollst, ganz ohne Geschäftssuche. Unsere Checkliste vor der Reise deckt den Rest deiner Vorbereitung ab.
Fazit
Internet auf See ist teuer, weil dein Handy still und heimlich ins Satellitennetz des Schiffs wechselt, das außerhalb aller europäischen Preisvereinbarungen liegt. Keine SIM-Karte und keine eSIM ändern daran etwas. Die Lösung ist einfach: Flugmodus an, wenn du ausläufst, das WLAN des Schiffs, wenn der Preis fair ist, und zurück auf dein Datenpaket, sobald du Land erreichst. So bleibt die Überfahrt der günstigste Teil deines Urlaubs.
Bald an Bord? Regel mit unserem eSIM-Vergleich ein Datenpaket für dein Reiseziel, damit du in dem Moment online bist, in dem du ankommst.